Fotoausrüstung

Vollformat oder APS-C? Sensorgrößen im Vergleich

Cropfaktor, Rauschen, Schärfentiefe und Gewicht: was die Sensorgröße wirklich verändert und für wen sich welches Format lohnt.

Das Belichtungsdreieck Blende, Verschlusszeit und ISO bestimmen gemeinsam die Belichtung. Jede Größe hat eine Nebenwirkung: Die Blende steuert die Schärfentiefe, die Zeit die Bewegungsunschärfe, die ISO das Bildrauschen. Blende Schärfentiefe Verschlusszeit Bewegungsunschärfe ISO Bildrauschen Belichtung Ein Schritt mehr hier = ein Schritt weniger dort
Das Belichtungsdreieck. Blende, Verschlusszeit und ISO bestimmen gemeinsam die Belichtung. Jede Größe hat eine Nebenwirkung: Die Blende steuert die Schärfentiefe, die Zeit die Bewegungsunschärfe, die ISO das Bildrauschen.
Inhalt dieser Seite
  1. Die Größen im Überblick
  2. Der Cropfaktor und die Brennweite
  3. Rauschen und Dynamikumfang
  4. Schärfentiefe und Freistellung
  5. Größe, Gewicht und Kosten
  6. Objektivauswahl
  7. Für wen sich was lohnt
  8. Fazit

Die Frage nach der Sensorgröße steht oft am Anfang jeder Kamerasuche. Vollformat gilt als Profiklasse, APS-C als Einstieg. Die Wirklichkeit ist differenzierter. Beide Formate haben Stärken, und welches zu Ihnen passt, hängt mehr von Ihren Motiven ab als vom Prestige. Dieser Vergleich aus dem Bereich Fotoausrüstung erklärt die Unterschiede.

Die Größen im Überblick

Format Sensorgröße ungefähr Cropfaktor
Vollformat (Kleinbild) 36 × 24 mm 1,0
APS-C 23 × 15 mm etwa 1,5 bis 1,6
Micro Four Thirds 17,3 × 13 mm 2,0

Die genauen Maße schwanken leicht zwischen den Herstellern. Bei APS-C liegen viele Modelle bei einem Cropfaktor von etwa 1,5, einige bei etwa 1,6.

Der Cropfaktor und die Brennweite

Ein kleinerer Sensor schneidet einen kleineren Ausschnitt aus dem Bild des Objektivs. Das wirkt wie eine längere Brennweite. Ein 200-mm-Objektiv an APS-C mit Cropfaktor 1,5 zeigt denselben Ausschnitt wie 300 mm an Vollformat.

Für Tiere, Vögel und Sport ist das ein Vorteil: Sie kommen mit kleineren, leichteren Objektiven nah heran.

Für Weitwinkel ist es ein Nachteil: Sie brauchen kürzere Brennweiten, um denselben weiten Blick zu erhalten.

Auch Faustregeln aus der Astrofotografie rechnen mit der Kleinbild-Brennweite, wie der Beitrag zur 500er- und NPF-Regel zeigt.

Rauschen und Dynamikumfang

Bei gleicher Technikgeneration und gleicher Auflösung haben Vollformatsensoren größere Pixel oder mehr Fläche, die Licht sammelt. Das führt meist zu weniger Rauschen bei hohen ISO-Werten und einem etwas größeren Dynamikumfang. In der Praxis bedeutet das: In dunklen Hallen, bei Konzerten oder in der Astrofotografie spielt Vollformat seine Stärken aus.

Bei gutem Licht und niedriger ISO sind die Unterschiede für die meisten Betrachter kaum zu sehen.

Schärfentiefe und Freistellung

Bei gleichem Bildausschnitt und gleicher Blende ist die Schärfentiefe an Vollformat geringer. Ein Porträt mit 85 mm und f/1.8 an Vollformat zeigt einen weicheren Hintergrund als dasselbe Bild mit einem 56-mm-Objektiv und f/1.8 an APS-C. Wer starke Freistellung liebt, findet sie an Vollformat leichter. An APS-C erreichen Sie Ähnliches mit lichtstärkeren Objektiven.

Für Landschaft, Makro und Produktfotos ist mehr Schärfentiefe oft sogar erwünscht. Dort ist der kleinere Sensor kein Nachteil.

Größe, Gewicht und Kosten

APS-C-Kameras und ihre Objektive sind meist kompakter, leichter und günstiger. Das betrifft vor allem Teleobjektive. Für Reisen, Wanderungen und den Alltag ist das ein echter Vorteil, denn die beste Kamera ist die, die Sie dabeihaben.

Vollformat-Systeme sind tendenziell größer und teurer, besonders bei lichtstarken Objektiven. Der Gebrauchtmarkt kann den Einstieg erleichtern. Worauf Sie dort achten sollten, steht im Beitrag Gebrauchte Kamera kaufen.

Objektivauswahl

Bei beiden Formaten bieten die großen Hersteller und Fremdhersteller eine breite Auswahl. Bei manchen Systemen liegt der Schwerpunkt neuer Objektive klar auf Vollformat, bei anderen gibt es ein umfangreiches eigenes APS-C-Programm. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob es die Objektive gibt, die Sie langfristig brauchen.

Für wen sich was lohnt

Vollformat lohnt sich, wenn Sie häufig bei wenig Licht fotografieren, starke Freistellung möchten oder großformatig drucken.

APS-C lohnt sich, wenn Sie Gewicht sparen möchten, Tiere oder Sport mit langer Brennweite fotografieren oder das Budget lieber in gute Objektive investieren.

MFT lohnt sich, wenn Kompaktheit oberste Priorität hat und Sie viel unterwegs fotografieren.

Fazit

Die Sensorgröße ist ein Faktor unter vielen. Objektive, Bedienung, Autofokus und vor allem Ihre eigene Erfahrung prägen die Bilder stärker. Viele hervorragende Fotos entstehen mit APS-C-Kameras, und ein Wechsel zu Vollformat macht aus einem mittelmäßigen Bild kein gutes. Wählen Sie das System, das zu Ihren Motiven und Ihrem Alltag passt.

Checkliste

Welches Format passt?

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Was bedeutet der Cropfaktor?
Er gibt an, um wie viel kleiner ein Sensor im Vergleich zum Vollformat ist. Ein Objektiv an einer APS-C-Kamera mit Cropfaktor 1,5 zeigt denselben Bildausschnitt wie ein Objektiv mit 1,5-facher Brennweite an Vollformat. Ein 50-mm-Objektiv wirkt dort also wie etwa 75 mm.
Ist Vollformat immer schärfer?
Nein. Die Schärfe hängt vor allem von Objektiv, Auflösung, Fokus und Technik ab. Vollformat hat Vorteile bei hoher ISO und beim Dynamikumfang, die bei gutem Licht oft kaum sichtbar sind. Ein gutes Objektiv an APS-C liefert schärfere Bilder als ein schwaches an Vollformat.
Kann ich Vollformat-Objektive an APS-C nutzen?
In der Regel ja, wenn sie zum gleichen Bajonett passen. Der Bildausschnitt wird dann enger. Umgekehrt decken APS-C-Objektive an einer Vollformatkamera nicht den ganzen Sensor ab. Viele Kameras schalten dann automatisch in einen Crop-Modus mit geringerer Auflösung.
Und was ist mit Micro Four Thirds?
MFT-Sensoren messen etwa 17,3 × 13 mm, mit einem Cropfaktor von 2. Das System ist besonders kompakt, und lange Brennweiten bleiben leicht. Bei hoher ISO und bei der Freistellung liegt es etwas hinter größeren Sensoren.