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Astrofotografie für Einsteiger: Milchstraße, Mond und Sterne

Mit Kamera, Weitwinkel und Stativ zum ersten Sternenhimmel: Planung, Einstellungen, Schärfe in der Nacht und der Weg zu Mond und Nachführung.

Milchstraße fotografieren: das Grundsetup Weitwinkel mit offener Blende auf stabilem Stativ, Fokus manuell auf einen hellen Stern. Die Belichtungszeit bleibt so kurz, dass die Erddrehung noch keine Sternspuren zeichnet. Dunkler Ort, kein Mond am Himmel. Weitwinkel, Blende offen, Fokus manuell Kurz genug belichten: keine Sternspuren Dunkler Ort, kein Mond
Milchstraße fotografieren: das Grundsetup. Weitwinkel mit offener Blende auf stabilem Stativ, Fokus manuell auf einen hellen Stern. Die Belichtungszeit bleibt so kurz, dass die Erddrehung noch keine Sternspuren zeichnet. Dunkler Ort, kein Mond am Himmel.

Einstellungen zum Ausprobieren

  • Milchstraße mit Landschaft

    Blende
    offen, f/1.8 bis f/2.8
    Zeit
    10 bis 25 s
    ISO
    1600 bis 6400
    Brennweite
    14 bis 24 mm (KB)

    Belichtungszeit nach 500er- oder NPF-Regel begrenzen. Fokus manuell über die vergrößerte Live-Ansicht auf einen hellen Stern.

  • Vollmond oder Halbmond

    Blende
    f/8 bis f/11
    Zeit
    1/125 bis 1/500 s
    ISO
    100 bis 200
    Brennweite
    ab 300 mm

    Der Mond ist von der Sonne beleuchtet und viel heller, als die Nacht vermuten lässt. Spotmessung oder manuell nach Histogramm.

  • Sternspuren

    Blende
    f/2.8 bis f/4
    Zeit
    viele Einzelbilder à 20 bis 30 s
    ISO
    400 bis 1600
    Brennweite
    14 bis 35 mm (KB)

    Einzelbilder per Intervallauslöser, später per Software zu Bögen zusammensetzen. Akku warm halten.

Ausgangswerte für den ersten Versuch, keine festen Regeln. Licht, Motiv und Kamera entscheiden, das Histogramm zeigt, ob es passt.

Inhalt dieser Seite
  1. Was Sie für den Anfang brauchen
  2. Planung: Mond, Wetter und Ort
  3. Die Kameraeinstellungen
  4. Scharfstellen in der Dunkelheit
  5. Vom ersten Bild zum besseren Bild
  6. Sicherheit und Rücksicht in der Nacht
  7. Der Mond: ein ganz anderes Motiv
  8. Nachführung: der nächste Schritt

Ein Sternenhimmel über einer Landschaft gehört zu den eindrucksvollsten Bildern, die man mit einer ganz normalen Kamera machen kann. Viele halten Astrofotografie für ein Spezialgebiet mit teurem Gerät. Für den Einstieg stimmt das nicht: Wer seine Kamera manuell bedienen kann, ein Stativ besitzt und eine dunkle Nacht abpasst, kann schon beim ersten Versuch die Milchstraße abbilden.

Was Sie für den Anfang brauchen

  • Kamera mit manuellem Modus. Spiegelreflex oder spiegellos, Vollformat ist im Vorteil, APS-C und MFT funktionieren ebenso.
  • Lichtstarkes Weitwinkel. Ideal ist eine Offenblende von f/2.8 oder größer. Das Kit-Objektiv geht auch, verlangt dann aber höhere ISO-Werte.
  • Stabiles Stativ. Bei Belichtungen von 15 oder 20 Sekunden ruiniert jede Bewegung das Bild.
  • Fernauslöser oder Selbstauslöser. Damit das Drücken des Auslösers keine Erschütterung erzeugt.

Auf was es bei Stativ, Sensorgröße und Objektiv ankommt, erklärt der Bereich Fotoausrüstung.

Planung: Mond, Wetter und Ort

Die wichtigste Arbeit passiert vor der Nacht. Drei Faktoren entscheiden:

Der Mond. Ein heller Mond überstrahlt die schwachen Sterne und die Milchstraße. Ideal sind die Tage rund um Neumond oder Nächte, in denen der Mond erst spät aufgeht oder früh untergeht.

Das Wetter. Klare Nächte mit trockener Luft bringen die besten Ergebnisse. Dunst und hohe Schleierwolken nehmen viel Kontrast. Spezielle Wetterdienste und Apps für Astronomen zeigen Bewölkung und Durchsicht in mehreren Höhenschichten.

Der Ort. Lichtverschmutzung ist der größte Gegner. Schon eine Kleinstadt in einigen Kilometern Entfernung hellt den Horizont sichtbar auf. Karten zur Lichtverschmutzung helfen, dunkle Gegenden zu finden. In Deutschland gibt es zudem ausgewiesene Sternenparks, etwa im Westhavelland, in der Rhön oder in der Eifel, in denen künstliches Licht bewusst reduziert wird.

Die Kameraeinstellungen

Fotografieren Sie im manuellen Modus und im RAW-Format, damit Sie später möglichst viel Spielraum für die Bearbeitung haben. Die Blende öffnen Sie ganz oder fast ganz. Die ISO liegt je nach Kamera und Objektiv zwischen 1600 und 6400. Bildstabilisator und Autofokus schalten Sie aus.

Die Belichtungszeit ist der heikelste Wert. Die Erde dreht sich, und mit ihr wandern die Sterne über den Himmel. Ist die Belichtung zu lang, werden aus Punkten kleine Striche. Die 500er-Regel liefert einen ersten Richtwert: 500 geteilt durch die Kleinbild-Brennweite. Bei Kameras mit kleinerem Sensor rechnet man die Brennweite vorher mit dem Cropfaktor um. Für moderne, hochauflösende Sensoren ist die NPF-Regel genauer, sie berücksichtigt auch Pixelgröße und Blende. Viele Astro-Apps rechnen sie automatisch aus.

Scharfstellen in der Dunkelheit

Der Autofokus findet im Dunkeln meist keinen Halt. Stellen Sie deshalb manuell scharf: Live-Ansicht einschalten, auf einen hellen Stern oder Planeten richten, maximal vergrößern und den Fokusring drehen, bis der Stern ein möglichst kleiner Punkt ist. Die Unendlich-Markierung am Objektiv ist dafür zu ungenau. Machen Sie danach ein Testbild und prüfen Sie es in der Vergrößerung.

Vom ersten Bild zum besseren Bild

Das erste Ergebnis sieht oft flau und grünlich oder bräunlich aus. Das ist normal. Erst in der RAW-Entwicklung holen Sie Kontrast, Farbe und Details heraus: Weißabgleich anpassen, Kontrast und Dunst-Entfernung behutsam erhöhen, Rauschen reduzieren. Fortgeschrittene nehmen mehrere Bilder hintereinander auf und mitteln sie per Software, um das Rauschen zu senken. Wie die RAW-Entwicklung grundsätzlich funktioniert, steht im Bereich Bildbearbeitung.

Sicherheit und Rücksicht in der Nacht

Erkunden Sie einen neuen Standort möglichst bei Tageslicht und sagen Sie jemandem Bescheid, wohin Sie fahren. Rotlicht an der Stirnlampe schützt die Dunkeladaption der eigenen Augen und stört andere Beobachter weniger. Achten Sie auf Privatgrund, Naturschutzregeln und Wildtiere, und nehmen Sie alles wieder mit, was Sie mitgebracht haben.

Der Mond: ein ganz anderes Motiv

Der Mond wirkt nachts wie eine schwache Lampe, ist aber von der Sonne angestrahlt und damit sehr hell. Er braucht deshalb kurze Belichtungszeiten und niedrige ISO-Werte, fast wie ein Motiv bei Tag. Für ein Bild, auf dem Krater gut erkennbar sind, braucht es lange Brennweiten. Besonders plastisch wirkt der Mond nicht bei Vollmond, sondern als Sichel oder Halbmond, wenn das schräge Licht an der Schattengrenze die Krater modelliert.

Nachführung: der nächste Schritt

Wer längere Belichtungen ohne Sternspuren möchte, kann die Kamera auf eine kleine Reisemontierung setzen, einen sogenannten Star Tracker. Sie dreht die Kamera im Takt der Erdrotation mit. So sind Belichtungen von mehreren Minuten möglich, und die Sterne bleiben Punkte. Der Vordergrund verwischt dabei allerdings, weshalb Landschaft und Himmel meist getrennt aufgenommen und später kombiniert werden.

Zum Weiterlernen lohnen sich die Kamera-Grundlagen: Wer Belichtungsdreieck und Histogramm sicher beherrscht, findet sich auch nachts auf dem Feld schnell zurecht.

Checkliste

Packliste für die erste Sternennacht

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wann sieht man die Milchstraße in Deutschland am besten?
Das helle Zentrum der Milchstraße steht in unseren Breiten vor allem im Frühjahr und Sommer am Himmel, im Frühjahr eher in der zweiten Nachthälfte, im Hochsommer schon am späteren Abend. Rund um Neumond ist der Himmel am dunkelsten. Rund um die Sommersonnenwende wird es in weiten Teilen Deutschlands allerdings nicht ganz dunkel.
Was ist die 500er-Regel?
Eine Faustformel für die längste Belichtungszeit ohne sichtbare Sternspuren: 500 geteilt durch die Kleinbild-Brennweite ergibt die Zeit in Sekunden. Bei 20 Millimetern wären das 25 Sekunden. Auf hochauflösenden Sensoren zeigen sich damit oft schon kurze Striche. Die NPF-Regel berücksichtigt zusätzlich Pixelgröße und Blende und liefert kürzere, genauere Werte.
Brauche ich für Astrofotografie ein Teleskop?
Für Milchstraße, Sternbilder und Landschaften mit Sternenhimmel nicht. Dafür reicht ein Weitwinkel. Ein Teleskop oder sehr lange Brennweiten werden erst für Details auf dem Mond, Planeten oder Galaxien interessant. Eine Nachführung, ein sogenannter Star Tracker, ist ein guter Zwischenschritt.