Kamera-Grundlagen

Belichtungsdreieck einfach erklärt: ISO, Blende, Verschlusszeit

Drei Stellschrauben, eine Belichtung: wie ISO, Blende und Verschlusszeit zusammenhängen und welche Nebenwirkung jede von ihnen hat.

Das Belichtungsdreieck Blende, Verschlusszeit und ISO bestimmen gemeinsam die Belichtung. Jede Größe hat eine Nebenwirkung: Die Blende steuert die Schärfentiefe, die Zeit die Bewegungsunschärfe, die ISO das Bildrauschen. Blende Schärfentiefe Verschlusszeit Bewegungsunschärfe ISO Bildrauschen Belichtung Ein Schritt mehr hier = ein Schritt weniger dort
Das Belichtungsdreieck. Blende, Verschlusszeit und ISO bestimmen gemeinsam die Belichtung. Jede Größe hat eine Nebenwirkung: Die Blende steuert die Schärfentiefe, die Zeit die Bewegungsunschärfe, die ISO das Bildrauschen.

Einstellungen zum Ausprobieren

  • Porträt mit unscharfem Hintergrund

    Blende
    f/1.8 bis f/2.8
    Zeit
    1/250 s
    ISO
    100 bis 400
    Brennweite
    50 bis 85 mm

    Offene Blende für geringe Schärfentiefe, Zeit kurz genug gegen Verwackeln.

  • Landschaft mit durchgehender Schärfe

    Blende
    f/8 bis f/11
    Zeit
    nach Licht
    ISO
    100
    Brennweite
    16 bis 35 mm

    Stativ, wenn die Zeit länger als der Kehrwert der Brennweite wird.

Ausgangswerte für den ersten Versuch, keine festen Regeln. Licht, Motiv und Kamera entscheiden, das Histogramm zeigt, ob es passt.

Inhalt dieser Seite
  1. Die drei Seiten des Dreiecks
  2. Das Tauschprinzip
  3. Die Nebenwirkungen
  4. Welcher Wert zuerst?
  5. Die Werte im Überblick
  6. Kontrolle mit dem Histogramm
  7. Üben mit einem Motiv

Wer die Automatik verlassen will, kommt am Belichtungsdreieck nicht vorbei. Es ist das wichtigste Modell der Kamera-Grundlagen und erklärt, warum ein Foto hell oder dunkel, scharf oder verwackelt, rauschfrei oder körnig wird. Die gute Nachricht: Es besteht nur aus drei Größen, und alle drei folgen derselben Logik.

Die drei Seiten des Dreiecks

Blende: die Öffnung im Objektiv, durch die Licht fällt. Große Öffnung, kleine Blendenzahl, viel Licht. Kleine Öffnung, große Blendenzahl, wenig Licht.

Verschlusszeit: wie lange der Sensor belichtet wird. Lange Zeit, viel Licht. Kurze Zeit, wenig Licht.

ISO: wie stark das Sensorsignal verstärkt wird. Hohe ISO, helleres Bild bei gleichem Licht. Niedrige ISO, dunkleres Bild.

Gemeinsam ergeben sie die Belichtung. Jede Größe lässt sich in Stufen verändern, und eine Stufe bedeutet immer: doppelt oder halb so viel Licht.

Das Tauschprinzip

Weil alle drei Größen in Stufen funktionieren, lassen sie sich gegeneinander tauschen. Öffnen Sie die Blende um eine Stufe, kommt doppelt so viel Licht herein. Damit das Bild gleich hell bleibt, halbieren Sie die Verschlusszeit oder die ISO.

Ein Beispiel: f/8, 1/125 s und ISO 100 ergeben dieselbe Helligkeit wie f/5.6, 1/250 s und ISO 100 oder wie f/8, 1/250 s und ISO 200. Das Bild ist gleich hell, aber es sieht jeweils anders aus. Denn jede Größe hat eine Nebenwirkung.

Die Nebenwirkungen

Blende und Schärfentiefe: Eine offene Blende wie f/1.8 ergibt eine geringe Schärfentiefe. Das Motiv ist scharf, der Hintergrund verschwimmt. Eine geschlossene Blende wie f/11 bringt mehr Bereiche in die Schärfe, ideal für Landschaften. Sehr kleine Blenden wie f/22 machen das Bild durch Beugung insgesamt etwas weicher.

Verschlusszeit und Bewegung: Kurze Zeiten frieren Bewegungen ein, lange Zeiten lassen sie verwischen. Lange Zeiten bergen zudem die Gefahr, dass das ganze Bild durch die Hand verwackelt. Mehr dazu im Beitrag zu den Sportfotografie-Einstellungen.

ISO und Rauschen: Je höher die ISO, desto stärker das Bildrauschen, also eine körnige Struktur, die Details überdeckt und Farben verfälscht. Moderne Kameras sind hier sehr gut, aber die niedrigste sinnvolle ISO liefert die beste Qualität.

Welcher Wert zuerst?

Überlegen Sie vor der Aufnahme, was für dieses Bild am wichtigsten ist:

  • Bewegung spielt eine Rolle? Legen Sie zuerst die Verschlusszeit fest. Für Kinder, Tiere, Sport.
  • Schärfentiefe ist entscheidend? Legen Sie zuerst die Blende fest. Für Porträts, Landschaft, Makro.
  • Dann die ISO: so niedrig, wie es Licht und die beiden anderen Werte zulassen.

Diese Logik steckt auch hinter den Halbautomatiken. Bei der Zeitvorwahl wählen Sie die Zeit und die Kamera die Blende, bei der Blendenvorwahl umgekehrt. Wie Sie im manuellen Modus alle drei Werte selbst steuern, zeigt der Beitrag Manueller Modus für Einsteiger.

Die Werte im Überblick

Stufe Blende Zeit ISO
mehr Licht f/2.8 1/60 s 400
f/4 1/125 s 200
weniger Licht f/5.6 1/250 s 100

Jede Zeile nach unten bedeutet bei jeder Spalte eine Stufe weniger Licht. Die meisten Kameras erlauben zusätzlich Drittel- oder halbe Stufen.

Kontrolle mit dem Histogramm

Das Display der Kamera ist kein verlässlicher Maßstab für die Helligkeit, besonders bei hellem Umgebungslicht oder im Dunkeln. Das Histogramm zeigt objektiv, wie die Helligkeitswerte verteilt sind und ob Lichter oder Schatten abgeschnitten werden. Wie Sie es lesen, erklärt der Beitrag Histogramm lesen.

Üben mit einem Motiv

Am schnellsten lernen Sie das Dreieck, wenn Sie ein ruhiges Motiv mehrmals fotografieren und jeweils nur einen Wert verändern. Nehmen Sie eine Blumenvase am Fenster: einmal mit f/2.8, einmal mit f/11. Dann einen laufenden Wasserhahn mit 1/1000 s und mit 1/15 s. Vergleichen Sie die Bilder am Rechner. Nach einer halben Stunde haben Sie ein Gefühl dafür, das kein Text ersetzen kann.

Checkliste

Welcher Wert zuerst?

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Was ist eine Blendenstufe?
Eine Stufe bedeutet die Verdopplung oder Halbierung der Lichtmenge. Bei der Blende sind die ganzen Stufen f/1.4, f/2, f/2.8, f/4, f/5.6, f/8, f/11, f/16. Bei der Zeit entspricht der Schritt von 1/250 s zu 1/125 s einer Stufe, bei der ISO der Schritt von 100 zu 200.
Warum bedeutet eine kleine Blendenzahl eine große Öffnung?
Die Blendenzahl ist ein Verhältnis aus Brennweite und Durchmesser der Öffnung. f/2 bedeutet, dass die Öffnung halb so groß ist wie die Brennweite, f/8 ein Achtel. Je kleiner die Zahl, desto größer also die Öffnung und desto mehr Licht fällt herein.
Wie hoch darf ich die ISO stellen?
Das hängt von Kamera und Verwendungszweck ab. Moderne Kameras liefern oft bis ISO 3200 oder 6400 noch gute Ergebnisse, für kleine Bilder auch darüber. Ein leicht verrauschtes, scharfes Bild ist meist besser als ein verwackeltes. Probieren Sie Ihre Kamera aus und entscheiden Sie, wo Ihre persönliche Grenze liegt.
Was ist die Kehrwertregel?
Eine Faustregel gegen Verwacklung aus der Hand: Die Verschlusszeit sollte nicht länger sein als der Kehrwert der Kleinbild-Brennweite. Bei 100 mm also etwa 1/100 s oder kürzer. Bildstabilisatoren erlauben längere Zeiten, bewegte Motive brauchen trotzdem kurze Zeiten.